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Ein unerwarteter Wächter auf dem Strommast

Ein amerikanischer Elektriker hinterlässt eine Jesus-Figur auf einem Strommast und sorgt für Aufsehen. Die unerwartete Kombination aus Technologie und Glauben regt zum Nachdenken an.

Emma Braun30. Juli 20263 Min. Lesezeit

Es war ein sonniger Dienstagmorgen, als ich auf dem Weg zur Arbeit an einem kleinen Strommast vorbeikam, der von der Straße aus gut einzusehen war. Ein unscheinbarer Anblick, wie er in vielen Vororten Amerikas zu finden ist. Doch an diesem Tag war etwas anders: Auf dem Mast prangte eine kleine Figur von Jesus, die scheinbar mit dem gleichen Vertrauen in den elektrischen Strom ausgestattet war, wie die Leitungen selbst. Mir fiel das Herz in die Hose, als ich zum ersten Mal auf diesen unerwarteten Wächter blickte.

Natürlich ist es nicht sonderlich ungewöhnlich, religiöse Symbole in den unterschiedlichsten Umgebungen zu finden – seien es kleine Kapellen an Landstraßen oder Kreuze, die über die Hügel der amerikanischen Landschaft ragen. Doch hier, auf einem Stahlmast, der energiespendend und oft unbeachtet in die Höhe ragte, wirkte diese Figur wie ein Stillleben, das einen unwahrscheinlichen Dialog zwischen Glauben und Technik eröffnete.

Die Hintergründe dieser kleinen Installation sind ebenso vielfältig wie die Meinungen darüber. Der Elektriker, der sie angebracht hat, wollte wohl ein Zeichen setzen. Vielleicht war es ein persönlicher Ausdruck seines Glaubens. Vielleicht war es eine Art Anrufung, um die Menschen daran zu erinnern, dass es mehr gibt als nur das tägliche Geschäfte auf dem Weg zur Arbeit. Auf den ersten Blick mag es absurd erscheinen, eine religiöse Figur zwischen Kabeln und Isolatoren zu platzieren. Doch in einer Welt, in der der technische Fortschritt schnell und oft nachlässig vorangetrieben wird, kann das Bild von Jesus auf einem Strommast als Anregung verstanden werden, innezuhalten und zu reflektieren.

In vielen Unternehmen, insbesondere in der Elektro- und IT-Branche, wird oft eine kühle, rationalisierte Sichtweise auf das, was wir tun, gepflegt. Die Frage nach dem „Warum“ wird oft von der Notwendigkeit der „Wie“ übertönt. Wie sehr haben sich diese Handwerksberufe von ihren Wurzeln entfernt, wo Spiritualität und fleißige Hände Hand in Hand gingen?

Der Strommast, als Symbol für Energie und Versorgung, könnte auch für das Streben nach mehr Sinn in der Arbeit stehen. In den letzten Jahren hat sich in vielen Branchen eine erfrischende Diskussion entfaltet: Wie können wir das, was wir tun, mit unserem persönlichen Glauben und Werten in Einklang bringen? Die Figur auf dem Mast scheint in diesen Dialog zu intervenieren.

Man kann das Bild der Jesus-Statue als veraltetes Klischee abtun oder als ein Relikt einer vergangenen Zeit, in der Glauben und Arbeit nicht getrennt wurden. Aber im Zeitalter von Fernarbeit und technologischem Fortschritt fragen sich viele, ob es nicht an der Zeit ist, wieder eine Verbindung zu suchen. Die Frage, die sich auftut, ist, ob eine solche Verbindung, wie sie der Elektriker auf diesem Mast inszeniert hat, nicht auch in größeren Maßstab stattfinden sollte.

Wie oft haben wir schon in Besprechungen gesessen, in denen das vorgespielte Pragmatismus über die wahren Bedürfnisse, Gefühle oder sogar die Spiritualität der Anwesenden hinweggegangen ist? Die Erkenntnis, dass wir mehr als nur Maschinen in einem System sind, könnte der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme sein, mit denen Unternehmen heute konfrontiert sind.

Die im wahrsten Sinne des Wortes „göttliche“ Intervention auf dem Strommast könnte die Menschen dazu inspirieren, ihre eigenen kleinen Zeichen der Hoffnung und des Glaubens an den Orten zu finden, wo sie arbeiten. Vielleicht in Form eines persönlichen Andenkens, eines Zitats, das auf dem Tisch steht, oder einer gemeinsamen Pause, die das Miteinander fördert.

Es lässt sich nicht leugnen, dass diese Jesus-Figur auf dem Strommast nicht nur einen Platz für Glauben in einem technischen Umfeld schafft, sondern auch eine umso wichtigere Diskussion anstößt, die in vielen Unternehmen zu kurz kommt. So skurril sie auch scheinen mag, vielleicht ist es genau diese Mischung aus Tradition und Moderne, die es uns ermöglicht, in unserer zunehmend rationalen Welt die Seele nicht aus den Augen zu verlieren.

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